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"Ehrenmord" an 16-Jähriger Morsal O. in Hamburg
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Am Donnerstag, den 15.05.2008 sticht der
23-Jährige Ahmad O. mehr als ein Dutzend Mal mit dem Messer auf seine
Schwester Morsal O. ein. Mehrere Passanten hören die Schreie und alarmieren
die Polizei. Kurz vor Mitternacht stirbt Morsal O. noch am Tatort an ihren
Verletzungen.
Ahmad O. bringt einen Freund mit zur Verabredung mit seiner Schwester am
U-Bahnhof Berliner Tor, dieser geht nach der Tat zur Polizei. Freitagmittag
wird Ahmad O. verhaftet. Er gesteht die Tat. Er habe sie umgebracht, da sie
sich "von der Familie abgewandt" habe.
"Leider ist das schreckliche Schicksal von Morsal kein Einzelfall", so
Christa Stolle von TERRE DES FEMMES. "Die Mädchen haben oft große Angst vor
ihren Familien und gleichzeitig wünschen sie sich, von ihnen geliebt und in
ihren Wünschen unterstützt zu werden. Deshalb kehren sie immer wieder zu
ihnen zurück. Der Abnabelungsprozess dauert meist sehr lange, auch wenn die
Mädchen immer wieder brutal misshandelt werden".
Der Hintergrund
Der Mord an Morsal O. ist der Abschluss einer langen Leidensgeschichte.
Morsal wollte sich den patriarchalen Lebensvorstellungen ihrer Familie nicht
beugen und ein selbst bestimmtes Leben führen, dies konnte ihr Bruder Ahmad
nicht akzeptieren. Mit drei Jahren kam Morsal mit ihrer Familie aus
Afghanistan nach Deutschland. Sie lebte sich gut ein, bekam vor eineinhalb
Jahren sogar einen Preis der Toepfer Stiftung für ein Projekt, das
respektvolles Miteinander an ihrer Schule fördern sollte.
Wegen ihres "westlichen" Lebensstils kam es immer wieder zu gewalttätigen
Konflikten mit ihrer Familie, insbesondere mit ihrem Bruder Ahmad und ihrem
Vater. Die letzten zweieinhalb Jahre floh sie immer wieder in Einrichtungen
der Kinder- und Jugendnothilfe. Aber die Verbindung zur Familie und der
Wunsch nach Akzeptanz durch die Menschen, die sie liebte, schienen zu stark
zu sein. Nach kurzer Zeit kehrte Morsal immer wieder zu ihrer Familie
zurück. Im November 2006 verprügelte Ahmad seine Schwester brutal und
verletzte sie dabei schwer. Sie zeigte ihn an, sagte dann aber nicht gegen
ihn aus.
Im vergangen Sommer soll der Vater Morsal zu Verwandten nach Afghanistan
geschickt haben, erzählt eine ihrer Freundinnen. Möglichweise plante die
Familie auch eine arrangierte Ehe für ihre Tochter. Wenige Tage vor ihrem
Tod kam es erneut zu einem Streit mit dem Vater. Er schlug sie zu Boden,
laut Polizeiprotokoll. Die Polizei holte sie aus der Wohnung der Familie und
brachte sie in einer Jugendeinrichtung unter. Von dort brach sie am
Donnerstagabend auf, um sich mit ihrem Bruder zu treffen.
"Wie viel Frauen jedes Jahr wegen einer verletzen Familienehre jedes Jahr
umgebracht werden kann man nicht genau sagen, berichtet Stolle, noch immer
fehlen uns verlässliche Zahlen". Seit 2004 haben sich bei der
Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES über 600 Mädchen und Frauen
gemeldet, die wegen Gewalt im Namen der Ehre Hilfe suchten.
2006 ergab eine Bund-Länder Abfrage des Bundeskriminalamtes 48 "Ehrenmorde"
an Frauen, die zwischen 1996 bis 2005 begangen wurden. Der
Weltbevölkerungsbericht im Jahr 2000 geht von jährlich ca. 5.000
"Ehremorden" aus, die in mindestens 14 Ländern verübt werden. Die
Dunkelziffer wird um ein vielfaches höher eingeschätzt.
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